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Adam Bodnar
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Adam Piotr Bodnar (geboren am 6. Januar 1977 in TrzebiatĂłw) ist ein polnischer Verfassungsrechtler, Menschenrechtsaktivist und Politiker. Von Dezember 2023 bis Juli 2025 war er Justizminister und Generalstaatsanwalt der Republik Polen. Zuvor war er seit dem 9. September 2015 polnischer Beauftragter fĂŒr BĂŒrgerrechte, musste dieses Amt nach einer Entscheidung des Verfassungsgerichts vom 15. April 2021 aber zum 15. Juli 2021 abgeben.
Contents
âą Schriften
âą Weblinks
âą Belege
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Ausbildung und wissenschaftliche Laufbahn
Er wurde als Sohn eines ukrainischstĂ€mmigen Vaters und einer polnischen Mutter in der Stadt TrzebiatĂłw in der Woiwodschaft Westpommern geboren.cite-ref-1[1] Bodnar studierte an der FakultĂ€t fĂŒr Recht und Verwaltung der UniversitĂ€t Warschau, an der er 2000 seinen Abschluss machte. AnschlieĂend erwarb er einen Master of Laws in vergleichendem Verfassungsrecht an der Central European University in Budapest. Von 2001 bis 2004 arbeitete Bodnar als Anwalt in der GroĂkanzlei Weil, Gotshal & Manges. Im Jahr 2006 wurde er bei MirosĆaw Wyrzykowski mit einer Arbeit zur âMehrfachbĂŒrgerschaft in der europĂ€ischen VerfassungssphĂ€reâ promoviert. AnschlieĂend arbeitete er als Dozent an der Abteilung fĂŒr Menschenrechte der UniversitĂ€t Warschau, veröffentlichte wissenschaftlich zu Fragen des Verfassungsrechts und hielt VortrĂ€ge unter anderem an der EuropĂ€ischen Rechtsakademie in Trier, am Warschauer Institut fĂŒr Ăffentliche Angelegenheiten und im Ausschuss fĂŒr Recht und Menschenrechte der Parlamentarischen Versammlung des Europarates.cite-ref-tvn24-2-0[2]
Im Jahr 2011 wurde Bodnar mit dem Toleranzpreis der polnischen LGBT-Organisationen ausgezeichnet.cite-ref-rpo-3-0[3] Im Oktober 2021 erhielt er den DIALOG-Preis vom Bundesverband der deutsch-polnischen Gesellschaft.cite-ref-4[4]
Arbeit fĂŒr Nichtregierungsorganisationen
2012 bis 2014 war Bodnar stellvertretendes Mitglied des SachverstĂ€ndigenrats des EuropĂ€ischen Instituts fĂŒr Gleichstellungsfragencite-ref-tvn24-2-1[2] und 2013 Marshall Memorial Fellow des German Marshall Fund.cite-ref-5[5] Seit Dezember 2013 sitzt Bodnar im Board of Directors des Freiwilligen Fonds der Vereinten Nationen fĂŒr Folteropfer.cite-ref-6[6] 2014/15 arbeitete er (zuletzt als VizeprĂ€sident) fĂŒr die Helsinki-Menschenrechtsstiftung. Dort berichtete er fĂŒr die Agentur der EuropĂ€ischen Union fĂŒr Grundrechte ĂŒber die Menschenrechtslage in Polencite-ref-tvn24-2-2[2] und unterstĂŒtzte die Arbeit weiterer Nichtregierungsorganisationen wie der Stephan-BĂĄthory-Stiftung, der Panoptykon-Stiftung gegen Ăberwachung und des polnischen Zweigs der Umweltschutzorganisation ClientEarth. Er gab die Onlinezeitung Kultura Liberalna mit heraus.cite-ref-7[7]
Beauftragter fĂŒr BĂŒrgerrechte
Bodnar wurde Mitte 2015 vom sozialdemokratischen Bund der Demokratischen Linken fĂŒr das Amt des BĂŒrgerrechtsbeauftragten vorgeschlagen und von der liberal-konservativen BĂŒrgerplattform (PO) unterstĂŒtzt, was als Versuch der PO im Wahlkampf vor der Sejmwahl 2015 gedeutet wurde, nach der verlorenen PrĂ€sidentschaftswahl im Mai und schlechten Umfragewerten gegenĂŒber der nationalkonservativen Recht und Gerechtigkeit (PiS) nach links zu integrieren.cite-ref-kellermann-8-0[8]
Als Gegenkandidatin nominierte die PiS die frĂŒhere SolidarnoĆÄ-Aktivistin Zofia Romaszewska.cite-ref-9[9] Nachdem er vom Sejm, der unteren Kammer des polnischen Parlaments, am 22. Juli 2015 mit 239 zu 155 Stimmen gewĂ€hlt worden war,cite-ref-leschewitz-10-0[10] wurde er vom Senat am 7. August 2015 mit 41 zu 39 Stimmen und zwei Enthaltungen bestĂ€tigt,cite-ref-11[11] was zuvor wegen Bodnars linksliberaler Positionen â er tritt fĂŒr eine eingetragene Partnerschaft Homosexueller ein und bezeichnet sich im katholisch geprĂ€gten Polen als Atheistcite-ref-kellermann-8-1[8] â als nicht selbstverstĂ€ndlich betrachtet wurde; so verweigerten ihm bei den jeweiligen Abstimmungen mehrere Abgeordnete der PO die Zustimmung.cite-ref-leschewitz-10-1[10]
Bodnar trat sein Amt als siebter Beauftragter fĂŒr BĂŒrgerrechte mit der Vereidigung am 9. September 2015 als Nachfolger von Irena Lipowicz an. Als seine ersten Arbeitsschwerpunkte kĂŒndigte er Verbesserungen in der ZugĂ€nglichkeit des Justizwesens, fĂŒr Obdachlose und fĂŒr FlĂŒchtlinge an und forderte in dieser drĂ€ngenden Frage â anders als der neugewĂ€hlte polnische PrĂ€sident Andrzej Duda â, sich an einer solidarischen gemeinsamen FlĂŒchtlingspolitik der EuropĂ€ischen Union zu beteiligen. Zudem lobte er die Arbeit der Nichtregierungsorganisationen und erklĂ€rte, mit ihnen zusammenarbeiten zu wollen, sich ihnen aber nicht zur âGeiselâ zu machen.cite-ref-tvn24-2-3[2]
Gegen die umstrittenen Justizreformen der Ende 2015 angetretenen Regierung der rechtskonservativen PiS legte Bodnar 2015 und 2016 Klagen ein. 2018 wurde ihm der Thorolf-Rafto-Gedenkpreis fĂŒr seinen Einsatz im polnischen Verfassungskonflikt verliehen.cite-ref-12[12] Ihm und seinem BĂŒro wurde 2019 der Roland-Berger-Preis fĂŒr MenschenwĂŒrde zuerkannt. Bodnar erklĂ€rte, den Preis nicht entgegenzunehmen, da die Rolle des Vaters des Preisstifters im NS-Regime ungeklĂ€rt ist.cite-ref-13[13]
Im September 2020 lief Bodnars Amtszeit regulĂ€r aus. Die mehrheitlich von der PiS besetzte erste Kammer des Parlaments, der Sejm, und die von der Opposition dominierte zweite Kammer, der Senat, konnten sich jedoch ĂŒber Monate nicht auf einen Nachfolger einigen, so dass Bodnar im Amt blieb. Am 15. April 2021 entschied das Verfassungsgericht, dass Bodnar seine TĂ€tigkeit innerhalb der folgenden drei Monate aufgeben mĂŒsse. Die Menschenrechtskommissarin des Europarates Dunja MijatoviÄ zeigte sich ĂŒber das Gerichtsurteil besorgt und forderte dringend die Wahl eines Nachfolgers, um keine LĂŒcke fĂŒr die Funktion des Beauftragten entstehen zu lassen.cite-ref-14[14] Bodnar schied am 15. Juli 2021 aus dem Amt aus; zu seinem Nachfolger wurde der Juraprofessor Marcin WiÄ
cek, Inhaber des Lehrstuhls fĂŒr Menschenrechte an der UniversitĂ€t Warschau, gewĂ€hlt.cite-ref-15[15]
Politische TĂ€tigkeit seit 2023
Bei der Parlamentswahl 2023 wurde Bodnar fĂŒr die Koalicja Obywatelska als Parteiloser in den Senat gewĂ€hlt.cite-ref-16[16] Seit dem 13. Dezember 2023 ist Bodnar Justizminister der Republik Polen im Kabinett Tusk III.cite-ref-17[17]
Bodnar wurde nach seinem Amtsantritt als Justizminister im Dezember 2023 fĂŒr eine Reihe von MaĂnahmen kritisiert, insbesondere im Zusammenhang mit personellen VerĂ€nderungen in der Justizverwaltung. Bis Mitte 2024 setzte er zahlreiche GerichtsprĂ€sidentinnen und -prĂ€sidenten sowie VizeprĂ€sidenten an Bezirks- und Landgerichten ab, unter anderem in Warschau, RzeszĂłw, Katowice und Lublin. Zur BegrĂŒndung wurde meist angefĂŒhrt, dass deren Ernennungen durch den als politisch beeinflusst geltenden Landesjustizrat (KRS) erfolgt seien oder dass die Qualifikationen nicht dem angestrebten ethischen Standard entsprĂ€chen. Teile der Richterschaft und die Opposition warfen Bodnar vor, mit diesen Eingriffen die richterliche UnabhĂ€ngigkeit zu gefĂ€hrden.cite-ref-18[18]cite-ref-19[19]
Kritik löste auch ein Gesetzesvorhaben aus, das die rechtliche Neubewertung von etwa 1600 Richterinnen und Richtern vorsah, die seit 2018 durch den KRS ernannt worden waren. Die Möglichkeit, diese Richter nachtrĂ€glich fĂŒr unrechtmĂ€Ăig ernannt zu erklĂ€ren, wurde von Verfassungsjuristen als potenziell verfassungswidrig eingestuft, da sie gegen die Garantien richterlicher UnabhĂ€ngigkeit und Unabsetzbarkeit verstöĂe.cite-ref-20[20]
Im Juni 2025 forderte Bodnar zudem eine NachzĂ€hlung der Stimmen in rund 1500 Wahlkreisen der PrĂ€sidentschaftswahl. Grundlage war eine statistische Analyse, die auf mögliche UnregelmĂ€Ăigkeiten hinwies, jedoch methodisch falsch durchgefĂŒhrt wurde. Die Forderung wurde von Teilen der politischen und juristischen Ăffentlichkeit als Ausdruck politischer Einflussnahme auf den Wahlprozess kritisiert.cite-ref-21[21]
Am 23. Juli 2025 wurde bekannt, dass Adam Bodnar im Zuge einer Regierungsumbildung unter MinisterprÀsident Donald Tusk aus dem Amt des Justizministers ausscheidet und durch Waldemar ƻurek abgelöst wird.cite-ref-22[22]
Schriften
âą Hrsg. mit MichaĆ Kowalski, Karen Raible, Frank Schorkopf: The Emerging Constitutional Law of the European Union. German and Polish Perspectives (= BeitrĂ€ge zum auslĂ€ndischen öffentlichen Recht und Völkerrecht. Band 163). Springer, Berlin u. a. 2003.
âą mit StanisĆaw Frankowski: Introduction to Polish Law. Kluwer, Den Haag 2005.
âą Obywatelstwo wielopoziomowe. Status jednostki w europejskiej przestrzeni konstytucyjnej. Wydawnictwo Sejmowe, Warschau 2008 (Dissertation).
Weblinks
Commons
: Adam Bodnar
â Sammlung von Bildern und Audiodateien
âą Kurzvorstellung als Beauftragter fĂŒr BĂŒrgerrechte (englisch).
Belege
cite-note-11. â Martin Sander: 70 Jahre nach der âAktion Weichselâ â Gedenken an die Vertreibung der Ukrainer. In: Deutschlandfunk. 30. April 2017, abgerufen am 5. Januar 2024.
cite-note-rpo-33. â Kurzvorstellung als Beauftragter fĂŒr BĂŒrgerrechte (englisch).
cite-note-44. â Adam Bodnar erhĂ€lt DIALOG-Preis der Deutsch-Polnische Gesellschaft Bundesverband. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 2. November 2021; abgerufen am 3. November 2021.
cite-note-55. â GMF Alumni on the Move. (Memento vom 6. Oktober 2015 im Internet Archive) In: GMFUS.org, 8. September 2015 (englisch).
cite-note-66. â UN Voluntary Fund for Victims of Torture â Decision Making. In: OHCHR.org, abgerufen am 9. September 2015 (englisch).
cite-note-77. â Artikel mit Bezug auf Bodnar bei KulturaLiberalna.pl (polnisch).
cite-note-kellermann-88. â Florian Kellermann: Wahlkampf in Polen. Tusk-Partei wirbt um WĂ€hlerstimmen.@1@2Vorlage:Toter Link/www.deutschlandfunk.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Juni 2023. Suche in Webarchiven) In: Deutschlandfunk, 25. August 2015.
cite-note-99. â Lista kandydatĂłw na Rzecznika Praw Obywatelskich [= Liste der Kandidaten fĂŒr den BĂŒrgerrechtsbeauftragten]. In: Sejm.gov.pl, Drucksache Nr. 3535, 23. Juli 2015 (polnisch, PDF).
cite-note-leschewitz-1010. â Lars Leschewitz: Sejm bestimmt Adam Bodnar zum Beauftragten fĂŒr Menschenrechte. In: Polen heute, 24. Juli 2015.
cite-note-1111. â New Human Rights Defender. In: RPO.gov.pl, 7. August 2015 (englisch).
cite-note-1212. â The 2018 Rafto Prize to Adam Bodnar. In: NHH.no (englisch).
cite-note-1313. â @1@2Vorlage:Toter Link/www.deutschlandfunk.deVerleihung von MenschenwĂŒrde-Preis wird verschoben. (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Juni 2023. Suche in Webarchiven) In: Deutschlandfunk, 19. Oktober 2019.
cite-note-1414. â Polens rechtsnationale Regierung serviert letzten offiziellen Kritiker ab, Kurier, 15. April 2021.
cite-note-1515. â Florian Hassel: Der unabhĂ€ngige Jurist Marcin WiÄ
cek: Polens BĂŒrgerrechtskommissar. In: SĂŒddeutsche Zeitung. 12. Juli 2021, abgerufen am 29. Juli 2021.
cite-note-1616. â Wahlergebnis fĂŒr den Senatswahlbezirk Nr. 44, Internetseite der staatliche Wahlkommission
cite-note-1717. â Daniel Tilles: Incoming Polish PM Tusk presents cabinet and programme ahead of confidence vote. In: Notes From Poland. 12. Dezember 2023, abgerufen am 13. Dezember 2023 (amerikanisches Englisch).
cite-note-1919. â Adam Bodnar chce odwoĆaÄ wiceprezesa sÄ
du w Katowicach. Wskazano powĂłd. 26. Mai 2025, abgerufen am 29. Juni 2025 (polnisch).
cite-note-2020. â Ustawa Bodnara o statusie neo-sÄdziĂłw budzi powaĆŒne wÄ
tpliwoĆci konstytucyjne. In: tvn24.pl. 15. MĂ€rz 2024, abgerufen am 29. Juni 2025 (polnisch).
cite-note-2121. â Polish justice minister demands vote recount in almost 1,500 polling districts. 26. Juni 2025, abgerufen am 29. Juni 2025 (britisches Englisch).
cite-note-2222. â Adam Bodnar odchodzi z rzÄ
du. Waldemar Ć»urek nowym ministrem sprawiedliwoĆci. In: rp.pl. 23. Juli 2025, abgerufen am 20. Dezember 2025 (polnisch).